Mit Goethe im Garten – Erstaunliches über einen bekannten Dichter



Wer meint, schon alles über den bekannten deutschen Dichter und Gartenfreund zu wissen, der sollte dieses Buch lesen. Renate Hücking, u.a.  bekannt als Redakteurin der Tagesschau, hat so manches Unbekannte entdeckt und Marion Nickig lieferte die passenden Fotos dazu. Zu Goethes Gartenhaus  im Weimar ist wohl schon so mancher gepilgert, aber wie wurde er Gartenbesitzer und was waren seine Lieblingspflanzen? Welche Bedeutung hatte sein Garten für ihn?


Das alles hat Renate Hücking anhand von Gedichten, Briefen und Tagebucheintragungen zusammengetragen. So war der Dichter der englischen Gartenkunst, die sich vom Formalismus barocker Gärten  abkehrte, zugetan. Eine Entwicklung, die typisch für diese Zeit war. Pflanzen, die heute noch im Trend liegen oder in Vergessenheit geraten sind, zierten seinen Garten. Wichtig waren ihm auch Gemüsebeete, das sei heute aber aus vielerlei Gründen nicht mehr in seinem Garten anzutreffen, so die Autorin. In seinem Refugium suchte der Dichter das einfache Leben, er schlief sogar einmal auf dem Boden, um dem Gartennahe zu kommen. Wunderbar lesen sich seine Naturbeobachtungen. Wir erfahren, dass Malven  zu seinen Lieblingspflanzen gehörten und er auch den Rosen sehr zugetan war. Goethe lockte auch andere Zeitgenossen wie Johann Gottfried Herder nach Weimar, die dann auch der Gartenkunst „verfielen“. Schiller hatte übrigens ein Gartenhaus ganz in der Nähe in Jena.

Goethe nutzt seinen Garten auch als „Dichterwerkstatt“, naturverliebt wie er war, so Renate Hücking. Anhand der Fotos kann man sich vorstellen, wie er allein durch sein Gartenrefugium streifte um sich inspirieren zu lassen.
Im Frühling schwärmte Goethe von Aurikeln und Veilchen und das Buch macht Lust, auch im eigenen Garten wieder einmal diese Blumen zu pflanzen, genau wie im Sommer Eisenhut oder Jungfer im Grünen. Das Gemüse aus seinem Arten ließ Goethe für den Winter konservieren, abwechslungsreiche Ernährung war ihm wichtig.

Warum Goethe in sein Stadthaus zog und wie sehr er von Italien und seinen Renaissancegärten schwärmte, wir erfahren es im Buch. Wir erhalten auch Einblick in seine Farbenlehre und in seine Naturwissenschaftlichen Arbeiten. Hilfreich für Gartenliebhaber sind die Kapitel über historische Gärten in und um Weimar und das Verzeichnis der Pflanzenanbieter und Vereinigungen, aber auch der Überblick zu Rosen in Goethes Garten am Frauenplan.

Das Buch vom CallweyVerlag ist eine Augenweide mit vielen neuen Erkennnissen und Kurzweiligem, empfehlenswert für Goethe- und Gartenliebhaber.

Gisela Tanner www.tannertext.de

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